Ich habe mir soeben die Eröffnungsfeier der 29. olympischen Spiele in Peking zu Gemüte geführt. Die Show war beeindruckend, die Reden langweilig und mit Floskeln übersät, wie sich das gehört. Der Einzug der Nationen war Standard; Dirk Nowitzki groß gefeiert.
Dann gings los: chinesische Militärs salutieren vor der olympischen Flagge und hissen sie…? Was soll das? Ich war schockiert. Gerade im olympischen Rahmen sind Soldaten das absolut unangebrachteste was es gibt. Besonders vor dem Hintergrund, dass China versucht, sein Bild in der Welt zu verbessern, erscheint mir dies als ein sehr dummer Auftritt. Zynisch erschienen auch die Friedenstauben, die symbolisch auf einer großen Leinwand zum Fliegen gebracht wurden. Zynisch im Blick auf den Umgang der chinesischen Regierung mit den nationalen Minderheiten und auch der ständigen Kriegsdrohung gegen Taiwan.
Zurück zum Thema: bombastisch ging es weiter. Ein ehemaliger chinesischer Olympionike lief als letzte Station des olympischen Feuers am Stadiondach entlang und entzündete schließlich in 60 Metern Höhe das olympische Feuer und ein riesiges Feuerwerk. Sehr beeindruckend.
Sandra Maischberger formulierte es ganz gut. Ich gebe es sinngemäß wieder: die Eröffnungsveranstaltung war perfekt. Dieser Perfektion hing aber zugleich eine Kälte an. Ich stimme ihr zu. Es hatte ein kalte Perfektion, wie man sie von totalitären Systemen kennt. Keiner der Akteure hat gezittert vor der Größe der Situation. Jeder hat seine Aufgabe erfüllt. Pflichtgemäß. Versagen nicht gestattet.
Ich bin nach wie vor zwiegespalten, ob es richtig war die Spiele nach Peking zu geben. Aber ich bleibe Optimist. Ich hoffe, dass die Spiele der Startpunkt für eine längst überfällige gesellschaftliche und politische Wendung in China ist. Dies wird natürlich nicht von heute auf morgen passieren, aber es wird passieren. Aber ein mulmiges Gefühl bleibt.
Währenddessen gehen weltweit die Proteste weiter. Spiegel online…
Aus dem mulmigen Blickwinkel eines westlichen Demokraten….
Noch eine gute Woche bis zum Start der Olympischen Spiele in Peking, doch von Vorfreude ist nicht viel zu spüren. Gerade gestern hat das Internationale Olympische Komitee IOC ihr Versprechen relativiert, dass jeder Journalist, der von den Spielen in China berichtet, freien und unzensierten Internetzugang haben wird. Scheinbar hat sich wieder einmal die Propaganda- und Repressurmaschine Chinas durchgesetzt.
Ebenso stellen die enormen Umweltbelastungen die örtlichen Behörden und vor allem die AthletInnen aus dem Ausdauerbereich vor große Probleme. Peking gilt als eine der dreckigsten Städte der Welt und hat eine so schlechte Luftqualität, dass viele AthletInnen um ihre Gesundheit bangen. Der mehrmalige Olympiasieger Haile Gebreselassi hat seinen Start beim olympischen Marathon mit der Begründung abgesagt, er könne unter solchen Umständen keine Leistung bringen und möchte seine Gesundheit nicht gefährden.
Die Zahl der Sicherheitskräfte ist riesig, es bleibt nur die Frage, ob sie zum Schutz der Athleten und Zuschauer fungieren, oder ob sie den Auftrag haben, „saubere“ Spiele im Sinne des Regimes zu garantieren.
Die Gesamtheit der Affären, Skandale und Probleme wirft die Frage auf, ob man die Entscheidung, die Olympischen Spiele in ein repressives Regime wie China zu vergeben, nicht zu leichtfertig getroffen hat. Die Zusage Chinas, sie würden Bemühungen anstellen, die Meinungs- und Pressefreiheit zu verbessern, wurde nicht umgesetzt. Stattdessen nutzt das Reich der Mitte die Spiele als Propagandabühne höchsten Ranges. Ob das dem Geist der Olympischen Spiele entspricht? Ich jedenfalls kann die Spiele nicht ruhigen Gewissens verfolgen.
Der Blickwinkel eines Demokraten und Sportfans.