Der Blickwinkel

Politik/Wirtschaft/Gesellschaft: Fassungslose Hoffnung (MK) | Okt 08th 2008

Fassungslos. So kann man den Zustand beschreiben, in dem ich mich seid einigen Tagen befinde. Ich versuche krampfhaft etwas zur Finanzkatastrophe zu Papier zu bringen.

Was ist passiert.  Das von vielen klugen Menschen oft kritisierte Finanzsystem dieser Welt steht vor dem absoluten Kollaps. Und das nicht ohne Ankündigung. Wiederholt gab es kleinere Kriesen, z.B. die Immobilienkriese in den USA, die darauf hinwiesen, dass es nicht mehr lange so weiter geht. Aber wieder einmal haben die „Mächtigen“ dieser Welt lieber weggesehen, oder noch mehr Geld in das offensichtlich gestörte System geschoben. Auf Kosten des kleinen Mannes. Da hilft es wenig wenn heute der Spiegel meint, dass Angela Merkel ja schon vor einem Jahr in der EU mehr Kontrollen gefordert hat, denn sie hat sich nicht durchgesetzt. Sie wusste es muss gehandelt werden und hat versagt.

Nach dem Kollaps geht nun das ewig gleiche Spiel der Geschichte los. Der „große“ Mann baut Scheiße, der kleine darf am Ende die Zeche (Steuern) zahlen. Aberwitzig kommt dann die Kritik der FDP und ihres Chefökonomen Guido Westerwelle… Die Regierung habe versagt. Nicht der Markt. Klar. Wie konnten wir nur so blöd sein. Ein ungezügelter Markt kann ja keine Fehler machen. Man kennt das ja aus der Natur. Da frisst ein Tier das andere und so weiter… und am Ende kommt alles wieder ins Gleichgewicht. Dumm nur, dass wir uns mittlerweile evolutionär etwas weiterentwickelt haben und es nicht mehr so einfach funktioniert. Aber auch Glück, ich hätte sonst ziemlichen Hunger auf einige in meiner Umgebung.

Klar, haben die Regierungen den Managern und marktradikalen Wirtschaftswissenschaftlern viel zu lange geglaubt, anstatt selbst schärfer zu kontrollieren. Das Hauptproblem ist jedoch im System selbst zu suchen. Ein Weltwirtschaftssystem, dass nicht auf den Menschen sondern auf das Kapital und dessen ungehemmte und letztlich völlig überflüssige Vermehrung ausgerichtet ist, ist des Pudels Kern. Man muss sich grundsätzlich die Frage stellen, wofür wir dieses System brauchen.

Damit sich einige 10.000 auf Kosten der restlichen Weltbevölkerung bereichern?

Oder um einen positiven Effekt aus der Globalisierung zu holen?

Das nicht jedes Jahr 10.000.000 Kinder in den Entwicklungsländern sterben, weil sie kein Essen, sauberes Wasser und eine gute medizinische Versorgung zur Verfügung haben.

Das sollte ein Ziel der Weltwirtschaft sein. Nicht der eigene Profit.

Ich kenne und verkenne nicht die menschliche Natur und das ein Teil, bei manchen Menschen ein zu großer Teil, vom Homo oeconomicus bestimmt wird. Jedoch ist es auch wie eben schon gesagt lange her, dass wir in der freien Wildbahn um das Überleben kämpfen mussten. Es gab viele evolutionäre Schritte. Und es wird Zeit für den nächsten. Welch bessere Situation für einen solchen Sprung kann man sich vorstellen als am Ende der Lawine, die zur Zeit ins Tal rollt und zahllose Existenzen unter sich begraben wird.

Für mehr Kontrollen auf den Weltmärkten. für das Verbot von sinnlosen Aktienspekulationen. Für die Tobinsteuer, deren Erlöse an die UN gehen, die damit ihrerseits Hilfe zur Selbsthilfe in Entwicklungsländern leisten. Die Politik hat die Chance zu handeln. Jetzt.

I am for a change. A change, I can belive in. Frei nach Obama…

Aus einem hoffnungsvollen Blickwinkel…dem Morgenrot entgegen

Interessant dazu:

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2 Kommentare »

  1. [...] Frage stellt sich “Der Blickwinkel” und stellt fest: Ein Weltwirtschaftssystem, dass nicht auf den Menschen sondern auf das [...]

    Pingback von Ja, wohin denn nun? | Reizzentrum — Oktober 8, 2008 @ 8:17

  2. Eine hinreichende Antwort, bei so einem komplexen System geben zu wollen, wäre vermessen. Aber ich habe ja einige Ansatzpunkte eingeworfen. Ein System, dass den Bedürfnissen aller Menschen zu Gute kommt. Nicht nur denen die das Glück hatten in der nördlichen Hemisphere geboren worden zu sein.

    Kommentar von martinkrupp — Oktober 8, 2008 @ 11:09


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Über den Autor

Marcel ist 21 Jahre alt und Martin ist 23 Jahre alt. Beide studieren an der RWTH Aachen Politische Wissenschaft und Germanistische und Allgemeine Literaturwissenschaft. Sie schreiben diesen Blog aus ihrem Blickwinkel.

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