Der Blickwinkel

Kennt ihr die noch?! (MK)


Politik/Wirtschaft/Gesellschaft: Luxusprobleme in den Industrieländern (MM)

Ein Blick in die taz und mein Morgen war dahin. Auf der Titelseite prangt eine große Statistik: Die Entwicklung der Hungerleidenden auf der Welt. Eine Kurve, steil wie die Eiger Nordwand.

Einmal mehr offenbart sich die ekelhafte, scheinheilige Politik der westlichen Welt. Laut taz ist die Zahl der Hungernden weltweit seit 2005 um knapp 10 % gestiegen – trotz der vollmundig zugesagten Hilfsmittel im Rahmen der Millenniumsziele der Vereinten Nationen.

Das alles wäre gar nicht sonderlich erwähnenswert, viel Vertrauen in die Beteuerungen der G8 sollte man nie setzen, das hat uns die Vergangenheit und die anhaltend katastrophale Lage in der dritten Welt gelehrt. Die Millenniumsziele sehen in erster Linie vor, die akute Armut in der Welt bis 2015 zu halbieren. Sechs Jahre nach dem Beschluss, und – viel wichtiger – nur noch sieben Jahre vor der selbst gesetzten Frist, scheinen die Ziele in weite Ferne gerückt, von den finanziellen Hilfsmitteln ist nur ein Bruchteil in die dritte Welt überwiesen, bzw. in Hilfsprojekte investiert worden.

Dabei ist ein Ende des Hungers gar keine Utopie, ganz im Gegenteil: Experten schätzen, dass man mit einem Investitionsvolumen von 30 Mrd. Euro den Hunger in Afrika endlich aus der Welt schaffen könnte. Und das ohne Almosen, sondern gezielte Unterstützung der Kleinbauern. Hilfe zur Selbsthilfe, das muss das Motto sein. Entwicklungshilfe… schön und gut, doch man muss darauf hinarbeiten, dass die dritte Welt endlich in ihre Unabhängigkeit entlassen wird.

Die Armutsstatistiken muten geradezu grotesk an, angesichts der milliardenschweren Rettungsprogramme der Vereinigten Staaten und Deutschland mit einem Gesamtvolumen von über 1,2 Billionen Dollar (!). Ein Bruchteil davon, und die Armut in der Welt wäre zu bekämpfen, Bauern könnten ihre Familien ernähren, jedes Kind könnte in die Schule gehen, Menschen hätten sauberes Wasser zu trinken, die hygienischen Verhältnisse würden endlich auf ein Niveau gehoben, das eigentlich keine Besonderheit sein sollte.

Für die Rettung eines kaputten Systems, das für die Armut auf der Welt verantwortlich ist, werden in Rekordzeit Programme verabschiedet, die um ein tausendfaches teurer sind, als alle Entwicklungshilfeprogramme der Welt. Es macht einen wütend, wenn man sieht, wie schnell plötzlich Geld da ist, um Banken zu unterstützen, deren Broker und Analysten mit ihren Spekulationen und Wetten die Lebensmittelpreise erst in so astronomische Höhen getrieben haben, dass Hungersnöte die zwangsläufige Folge ihres Handelns sein mussten.

Und kaum sind die Auffangprogramme und Bürgschaften für das Finanzsystem abgesegnet, jubeln die Börsen auf der Welt wieder. So schnell geht’s wieder los mit dem Handeln, dem Wetten auf Preisstürze oder -booms, und keine Rücksicht auf Verluste, Vater Staat springt schon in die Bresche, wenn’s mal wieder daneben geht. Und zur Not kürzen wir einfach die Mittel für die dritte Welt, die müssen ja langsam mal auf eigenen Beinen stehen.

Man kann nur hoffen, dass die Regierungen der Staaten sich jetzt bewusst werden über ihre Aufgabe: Der Finanzkapitalismus muss reguliert werden, ansonsten werden Krisen wie diese in immer kürzeren Abständen auftreten, und die Folgen nicht mehr zu begleichen sein. Kleinanleger müssen geschützt werden, für nicht mehr und nicht weniger sollen die staatlichen Bürgschaftsfonds herhalten. Ruinöse Banken, die mit ihrer Gier das Geld der Kunden verprassen, müssen in staatliche Hand gebracht werden.

Und vor allen Dingen muss man sich über seine Verantwortung bewusst werden: Wir reden von einer drohenden Rezession, vom Zusammenbruch unserer gewohnten Finanzwelt. Wir müssen uns vor Augen führen, wie dekadent und unsolidarisch diese Befürchtungen sind. Wir lamentieren über Luxusprobleme, niemand wird hier hungern müssen, weil wir nicht mehr so viele Autos exportieren werden wie bisher. Für die dritte Welt sind diese Gefahren real, täglich sterben tausende Menschen, weil sie nicht mal das Geld haben, sich eine Schüssel Reis zu kaufen.

Vom 17.10. bis 19.10. ist der Aktionstag der UNO mit dem Motto „Stell dich gegen Armut“, ein trauriger Zufall, dass er gerade in diesen Tagen stattfindet.

Ein Blickwinkel, der die Augen für die Armut öffnen soll…


Politik/Wirtschaft/Gesellschaft: Fassungslose Hoffnung (MK)

Fassungslos. So kann man den Zustand beschreiben, in dem ich mich seid einigen Tagen befinde. Ich versuche krampfhaft etwas zur Finanzkatastrophe zu Papier zu bringen.

Was ist passiert.  Das von vielen klugen Menschen oft kritisierte Finanzsystem dieser Welt steht vor dem absoluten Kollaps. Und das nicht ohne Ankündigung. Wiederholt gab es kleinere Kriesen, z.B. die Immobilienkriese in den USA, die darauf hinwiesen, dass es nicht mehr lange so weiter geht. Aber wieder einmal haben die „Mächtigen“ dieser Welt lieber weggesehen, oder noch mehr Geld in das offensichtlich gestörte System geschoben. Auf Kosten des kleinen Mannes. Da hilft es wenig wenn heute der Spiegel meint, dass Angela Merkel ja schon vor einem Jahr in der EU mehr Kontrollen gefordert hat, denn sie hat sich nicht durchgesetzt. Sie wusste es muss gehandelt werden und hat versagt.

Nach dem Kollaps geht nun das ewig gleiche Spiel der Geschichte los. Der „große“ Mann baut Scheiße, der kleine darf am Ende die Zeche (Steuern) zahlen. Aberwitzig kommt dann die Kritik der FDP und ihres Chefökonomen Guido Westerwelle… Die Regierung habe versagt. Nicht der Markt. Klar. Wie konnten wir nur so blöd sein. Ein ungezügelter Markt kann ja keine Fehler machen. Man kennt das ja aus der Natur. Da frisst ein Tier das andere und so weiter… und am Ende kommt alles wieder ins Gleichgewicht. Dumm nur, dass wir uns mittlerweile evolutionär etwas weiterentwickelt haben und es nicht mehr so einfach funktioniert. Aber auch Glück, ich hätte sonst ziemlichen Hunger auf einige in meiner Umgebung.

Klar, haben die Regierungen den Managern und marktradikalen Wirtschaftswissenschaftlern viel zu lange geglaubt, anstatt selbst schärfer zu kontrollieren. Das Hauptproblem ist jedoch im System selbst zu suchen. Ein Weltwirtschaftssystem, dass nicht auf den Menschen sondern auf das Kapital und dessen ungehemmte und letztlich völlig überflüssige Vermehrung ausgerichtet ist, ist des Pudels Kern. Man muss sich grundsätzlich die Frage stellen, wofür wir dieses System brauchen.

Damit sich einige 10.000 auf Kosten der restlichen Weltbevölkerung bereichern?

Oder um einen positiven Effekt aus der Globalisierung zu holen?

Das nicht jedes Jahr 10.000.000 Kinder in den Entwicklungsländern sterben, weil sie kein Essen, sauberes Wasser und eine gute medizinische Versorgung zur Verfügung haben.

Das sollte ein Ziel der Weltwirtschaft sein. Nicht der eigene Profit.

Ich kenne und verkenne nicht die menschliche Natur und das ein Teil, bei manchen Menschen ein zu großer Teil, vom Homo oeconomicus bestimmt wird. Jedoch ist es auch wie eben schon gesagt lange her, dass wir in der freien Wildbahn um das Überleben kämpfen mussten. Es gab viele evolutionäre Schritte. Und es wird Zeit für den nächsten. Welch bessere Situation für einen solchen Sprung kann man sich vorstellen als am Ende der Lawine, die zur Zeit ins Tal rollt und zahllose Existenzen unter sich begraben wird.

Für mehr Kontrollen auf den Weltmärkten. für das Verbot von sinnlosen Aktienspekulationen. Für die Tobinsteuer, deren Erlöse an die UN gehen, die damit ihrerseits Hilfe zur Selbsthilfe in Entwicklungsländern leisten. Die Politik hat die Chance zu handeln. Jetzt.

I am for a change. A change, I can belive in. Frei nach Obama…

Aus einem hoffnungsvollen Blickwinkel…dem Morgenrot entgegen

Interessant dazu:

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Über den Autor

Marcel ist 21 Jahre alt und Martin ist 23 Jahre alt. Beide studieren an der RWTH Aachen Politische Wissenschaft und Germanistische und Allgemeine Literaturwissenschaft. Sie schreiben diesen Blog aus ihrem Blickwinkel.

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