Der Blickwinkel

Wirtschaft/Politik: Bsirske fliegt frei (MM) | Aug 03rd 2008

Gerade ist der Arbeitskampf zwischen der Lufthansa und Verdi zu Ende gegangen, da gibt es schon neuen Zündstoff. Verdi-Chef Frank Bsirske war während der Tarifverhandlungen im Urlaub in der Südsee. An sich kein Verbrechen, pikant ist aber, dass Bsirske und seine Frau kostenlos und erste Klasse flogen. Dies steht dem Gewerkschaftsführer zu, da er gleichzeitig als Aufsichtsratsmitglied bei der größten deutschen Airline fungiert.

Bsirske wollte mit seiner Abwesenheit das Dilemma verhindern, zwischen zwei Stühlen zu stehen – seiner Gewerkschaft und der Tarifpartei die er vertritt und dem Unternehmen, in dessen Führungsgremium er vertreten ist -, doch mit seinem Freiflug hat er sich in neue Schwierigkeiten verstrickt.

Rechtlich gesehen ist der Freiflug durchaus legitim, genau wie jedes andere Aufsichtsratsmitglied ein Recht auf diese Flüge besitzt. Moralisch allerdings ist die Inanspruchnahme der Offerte sehr bedenklich. Es drängt sich der Verdacht auf, Bsirske sei durch seine Doppelrolle befangen, auch der Vorwurf der Korruption wird laut.

Besonders aus Reihen der Union und FDP mehren sich bereits die Stimmen, die Bsirskes Rücktritt als Verdi-Chef fordern. So möchte FDP-Generalsekretär Dirk Niebel gerne, dass Bsirske „in der Südsee“ bleiben solle. Auch die CSU verlangt Bsirskes Rücktritt, da er seine Leute während des Arbeitskampfes im Stich gelassen habe. Verdi-Pressesprecher Harald Reutter bezeichnete die Rücktrittsforderungen als „absurd“ und sie kämen wie immer „von den üblichen Verdächtigen“.

Ein Gewerkschaftsführer wie Bsirske sollte besonders bei einem brisanten Thema, wie dem Arbeitskampf bei der Lufthansa mehr Fingerspitzengefühl zeigen. Ein Urlaub an sich ist sicherlich verdient, jedoch sollte der als pragmatisch geltende Bsirske in Zukunft darauf achten, dass bei seiner sowieso schon problematischen Doppelrolle bei Verdi und Lufthansa die Wellen nicht noch höher schlagen. Andernfalls wäre seine Glaubwürdigkeit arg beschädigt und ein Rücktritt kaum noch zu verhindern.

Ein Blickwinkel, der die Doppelmoral der Liberalen ablehnt.


13 Kommentare »

  1. War ja klar, wenn sich ein Gewerkschafter mal etwas moralisch nicht ganz sauberes leistet, dass dann die Bürgerlichen die ersten sind, die seinen Rücktritt fordern. Wenn es aber umgekehrt mal einer von ihnen einen Fauxpas macht, dann wird das als völlig legitim und aufgrund seiner/ihrer harten arbeit verständlich erklärt.
    Es ist völlig okay und legal, finde ich.

    Kommentar von martinkrupp — August 3, 2008 @ 11:57

  2. Niebel und Co sollen mal ihre Schwarzgeldkonten offen legen und ihre Bestechungsgelderlisten offen legen…
    Oder die CSU die Schwarzgeldkonten. Scheinheilige Kackbratzen…
    Hab vorhin auchmal was dazu geschrieben: http://lachenundnachdenken.wordpress.com/2008/08/03/flugaffare-um-verdi-chef-bsirske/

    Kommentar von killerkeks — August 3, 2008 @ 1:56

  3. Danke für diese Worte ;)
    Es ist wirklich so, dass immer mit zweierlei Maß gemessen wird.

    Kommentar von marcelmuth — August 3, 2008 @ 2:26

  4. Irgendwie versteh ich jetzt nicht wirklich, was an der Geschichte problematisch sein soll. Nächstma vielleicht n bisschen ausführlicher?! (also damit ich auch kapier worums geht *g*)

    Kommentar von carovankuchen — August 3, 2008 @ 4:20

  5. Was verstehste denn nich? Wie kann ich dir helfen? :)

    Kommentar von marcelmuth — August 3, 2008 @ 7:10

  6. Was is daran so schlimm, dass der Kerl kostenlos durch die Gegend jettet, wenns ihm doch zusteht?!
    Klar, der sitzt zwischen den Stühlen, aber das is ja eigentlich ne andere Geschichte, und was hätte das denn besser gemacht wenn er für den Flug bezahlt hätte?!

    Kommentar von carovankuchen — August 3, 2008 @ 7:13

  7. Das seh ich ja genauso. Es ist halt nur pikant, dass er gleichzeitig Leistungen von dem Unternehmen annimmt, mit dem er gerade als Verdi-Chef im Arbeitskampf ist. Das hat eben den Beigeschmack, dass er sich nicht voll reinhängt. Nach dem Motto: Man beißt nicht in die Hand die einen füttert.

    Kommentar von marcelmuth — August 4, 2008 @ 12:45

  8. Hab grad im Radio gehört, dass er den Flug doch zahlen wird…

    Kommentar von carovankuchen — August 4, 2008 @ 11:02

  9. faschisten!! revolution :D

    Kommentar von marcelmuth — August 4, 2008 @ 1:19

  10. Wichtig wären jetzt klare Positionen seitens der Gewerkschaftler, auch kritische. Warum immer erst auf die Angriffe der Gegner warten?

    A.

    PS.: Übrigens, ein guter Politikblog habt ihr da.

    Kommentar von Arthur Coffin — August 6, 2008 @ 2:04

  11. Danke fürs Lob :)

    Kommentar von marcelmuth — August 6, 2008 @ 4:37

  12. Also jetzt muss ich Bsirske doch kritisieren!!! Dass er den Flug jetzt bezahlen will, ist der größte Schwachfug und politische Selbstmord… Für mich unverständlich…

    Da haben es diese Pissnelken von FDP, CDU und Wirtschaftsverbänden mal wieder geschafft die Gesellschaft und Gemeinschaft der lohnabhängig beschäftigten gegen die Gewerkschaften aufzuhetzen…

    Kommentar von killerkeks — August 7, 2008 @ 2:53

  13. Find ich auch schwach. Hätte jetzt hart bleiben müssen.

    Kommentar von marcelmuth — August 7, 2008 @ 3:09


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Über den Autor

Wir sind: Marcel, 22 Jahre alt, Student der Politischen Wissenschaft und Germanistischen und Allgemeinen Literaturwissenschaft an der RWTH Aachen, und Martin, 23, Student an der Uni Bonn mit dem Fach Politik und Gesellschaft.

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