Nachdem vor zwei Wochen ein Zeltlager der Linken Jugend im hessischen Schwalmstadt von einer Gruppe Neonazis überfallen, und dabei ein 13-jähriges Mädchen von einem 19-jährigen mit einem Klappspaten fast zu Tode geprügelt wurde, wundert man sich, dass Hessens Ministerpräsident Koch sich derart in Zurückhaltung übt.
Der 19-jährige Täter, gegen den inzwischen Haftbefehl wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung ergangen ist, steht in engem Kontakt mit dem hessischen NPD-Landeschef Marcel Wöll und arbeitete regelmäßig für die rechtsradikalen „Volksfront Medien“.
Dieser eindeutig rechtsradikal motivierte Übergriff, der beinahe mit dem Tod eines jungen Mädchens endete, scheint Roland Koch aber weniger besorgniserregend als die Kriminalität junger Ausländer. Vor der Hessenwahl tönte Koch noch, wie gefährlich viele junge Migranten doch wären, und mit welchen Mitteln man gegen diese vorgehen müsse, wie etwa Erziehungscamps nach amerikanischem Vorbild oder Kinderstrafvollzug als Quasi-Schuss vor den Bug.
Es ist wieder einmal typisch für den Populisten Koch, dass er das real existierende Problem des Rechtsradikalismus und der Gewalt von Rechts ignoriert. Er befürchtet wohl, dass er sich die Wähler, die er mit seinem ausländerfeindlichen Wahlkampf vor der Landtagswahl am rechten Rand gefischt hat, wieder abspenstig machen könnte.
Ein antipopulistischer Blickwinkel.
Tags: gewalt, haftbefehl, hessen, koch, linke, marcel wöll, NPD, populismus, rechts
Ich glaube man sollte weder das eine noch das andere Problem ignorieren. Meiner bescheidenen Meinung nach sollte man allgemein gegen Gewlat unter Jugendlichen vorgehen. Ob es sich dabei um linksradikale, rechtsradikale, Ausländer oder anderweitige gewaltbereite Idioten handelt, ist doch egal.
Kommentar von carovankuchen — August 2, 2008 @ 1:35
da stimm ich dir auch vollkommen zu. das hab ich mit dem artikel auch nicht gemeint. es geht sich halt nur darum, wie verlogen roland koch eigentlich agiert. denn gerade er geht nicht gegen jede gewalt vor, sondern hat die migranten im blick und ignoriert das wachsende problempotential von rechts. gewalt ist scheiße…
Kommentar von marcelmuth — August 2, 2008 @ 4:41
Und was ist daran nun verlogen? Der Mann steht doch zu dem, was er sagt. Vor der Wahl hat er rumgetönt, dass die jungen Migranten gewaltbereit sind. Von jungen Nazis hat er nie was erzählt.
Jetzt reagiert er auf gewaltbereite Migranten und eben nicht auf prügelnde Jung-Nazis.
Ich weiß ja nicht, wie ihr das seht, aber ich erkenne da eine klare Linie. Auch wenn diese mehr als bedenklich ist..
Kommentar von christianrottländer — August 2, 2008 @ 1:08
Aus der Warte kann man natürlich sagen: Boar, ist der Roland Joch konsequent. Aber wie verlogen ist es denn bitte, nur von Ausländerkriminalität zu sprechen, und die Probleme von rechts komplett zu ignorieren?
Kommentar von marcelmuth — August 2, 2008 @ 7:29
Roland Koch fischt mit seinen Aktionen doch immer am rechten Rand. Dass er die Rechtsaußen dann nicht mit harten Bandagen anfassen kann (und sei es auch nur rhetorisch) ist einleuchtend.
Diese Art Politik zu betreiben ist einfach brutalstmögliches Streben nach Machterhalt.
Kommentar von bravo56 — August 2, 2008 @ 10:56